LUNAE
Etwa 1 km von der archäologischen Stätte der Stadt LUNAE
Die Geschichte der Stadt Luni
Die Stadt Luni, an der Magramündung gelegen, wird wegen ihrer geographischen Lage, an der Grenze zwischen Ligurien und Etrurien ( als die VII. Region wurde sie von Augustus bezeichnet), einmal als ligurisch und dann auch wieder etruskisch genannt.Der Name der Stadt wird auf die Göttin Luna bezogen; ihre Verehrung wird durch Inschriften belegt, selbst die sichelförmige Hafenanlage könnte sich auf sie beziehen.
Kontrovers wird die Identität, die Lage des Portus Lunae, des Hafens von Luni diskutiert, an den alte Schriften, besonders Strabone, erinnern; für die einen ist er mit dem Hafen von La Spezia identisch, für andere weist er auf einen Hafen an der Magramündung hin, wo auch einige Relikte ans Tageslicht kamen, die auf einen versandeten Hafenbetrieb hinwiesen.In ihrer Zeit lag die Stadt direkt am Meer; heute sind es 2 km bis zur Küste.Der alte Verlauf gilt durch Luftaufnahmen und geologische Studien als bestätigt. Die letzte Revolte der Ligurer war 155 v.Chr. durch M. Claudio Marcelli (der zum 2. Mal Konsul war) niedergeschlagen worden, wie wir aus den Fasti Trionfali wissen.( siehe: lunensische Inschrift auf dem Abakus einer Marmorsäule, die als Basis für seine Statue diente). Die Stadt wird von der Via Aemilia Scauri durchzogen; sie ist nach dem Zensor benannt, der sie 109 v. Chr. bauen ließ, wahrscheinlich auf einer schon vorher existierenden Trasse. Sie ist eigentlich eine Fortführung der Via Aurelia, deren Namen sie auch übernahm. Die Aurelia konstruierte man im II. Jhdt. v.Chr. , zuerst von Rom nach Pisa; später dann, an Luni vorbei, bis nach Genua.
Die Stadt, die dem Stamm der Galeria zugehörte, wurde von Augustus durch neue Siedlungen vergrössert; ihm , als Patron, ist eine Basis gewidmet worden. Einige schriftliche Quellen erwähnen die Stadt, doch die meisten Aussagen über ihr Leben geben die zahlreichen lunensischen Inschriften, die an Amtspersonen, Repräsentanten der Unternehmerklasse, Industrielle, Händler und Berufsverbände wie aber auch an Kulte und verschiedene Gottheiten erinnern. Die Wälder, die den Appennin bedeckten, lieferten das nötige Holz; Strabone belegt, daß man in dieser Zeit, wie im Mittelalter, große Baumstämme, die sich bestens für Bauholz eigneten, über den Fluß in die Stadt transportierte. In Luni wurde der Käse der Lunigiana - im großen Formen - verschifft; Plinius hielt ihn für den besten Etruriens. Doch der eigentliche Reichtum, nachdem Luni als militärischer Stützpunkt - nach den Kämpfen mit den Ligurern - unwichtiger geworden war, wurde durch die Marmorvorkommen gesichert. Zu Beginn für lokalen Zwecke geschätzt und verwendet, wurde der lunensische Marmor bis nach Rom und ganz Italien verschifft; bis hin zu den Provinzen des Okzidents benutzte man ihn für Skulpturen und architektonische Zwecke. Die Steinbrüche selbst wurden Eigentum des römischen Imperiums.
Auch im III. und IV. Jhdt. verringerte sich keineswegs die wirtschaftliche Aktivität der Stadt, was durch zahlreiche Münzen östlicher und westlicher Prägung belegt ist; eine lunensische Bronzeinschrift (heute im Museum von Bologna), eine Schrifttafel gallischer Herkunft, zitiert Luni als splendida civitas nostra lunensis. Ebenso belegt die Papstweihe des Eutichiamo - ein Bürger Lunis - im Jahr 275 n.Chr. , die Wichtigkeit der Stadt in Bezug auf die Verbreitung der neuen Religion - des Christentums. Auch nach dem Fall Roms lebte die Stadt weiter - fernab der grossen Kriegschauplätze - als wichtiges Zentrum " dell`Italia maritima" im Einflußbereich der Byzantiner, und Bischofssitz, der neben der religiösen auch administrative und politische Funktionen erfüllte.
Auch unter dem Einfluß der Langobarden wird das Stadtrecht dadurch bestätigt, daß eine eigene autonome "Münze" (Prägerei), wenn auch gemeiner Prägung, existierte.Durch die Rotari und durch normannische Unternehmungen zum Teil zerstört, von Unwettern und den Sarazenen, von der Malaria und Machtkämpfen heimgesucht, bleibt Luni " immer noch auf der Via Romea" , attraktiv für die Herrscher (Ottonen, Friedrich I., etc.). Erst 1204, nachdem der Bischofssitz nach Sarzana verlegt ist, bleibt von der Stadt nur noch der Name; in Texten wird sie " la maledetta" (die Verfluchte) genannt, Dante reiht sie unter die toten Städte ein; selbst von Petrarca wird an sie erinnert als " schon Berühmte und Mächtige, doch heute nur noch nackt und mit nichtigem Namen."